Auszug aus dem Original-Protokoll über die am 12. August 1929 Montag abends ½ 9 h im Gasthaus zum Engel abgehaltenen Vereinsversammlung unter Vorsitz des Hauptmanns Josef Bösch.
Hauptmann Josef Bösch schildert eingehend den Verlauf der Löschtätigkeit anläßlich des Heustockbrandes im Stadel der Armenanstalt.
Er weist ganz besonders darauf hin wie weit der Brand bereits vorgeschritten war und daß der offene Ausbruch nicht mehr lange auf sich gewartet lassen hätte. Er betont daß die Löscharbeit tadellos vonstatten ging und die Mannschaft tüchtig und ganzer Kraft gearbeitet habe. Er spricht dafür allen den Dank aus. Ganz besonderer Dank gebührt den Kameraden Pirmin Vogel und Franz Fitz, die von morgens bis abends gearbeitet haben und die Löschtätigkeit am Anfang eingeleitet und bis zur Ankunft des Autogerätes fortgeführt haben.
Schriftführer Gebhard Fitz bringt an den Ausführungen des Hauptmannes anschließend zur Kenntnis, daß er am Brandsonntag nachdem er im Verein mit dem bereits am Platze arbeitenden Wehrmännern Pirmin Vogel und Franz Fitz, den Entschluß zum Allarm der Wehr mit Bereitschaft der Autospritze gefaßt habe, vom Sturmläuten lassen abgesehen habe, da er die persönliche Ansage von Mann zu Mann nach der 8 h Messe für genügend gefunden habe und der Glockenallarm unnötige Aufregung verursacht hätte.
Zum Brand selbst gibt er Aufklärung über den chemischen Vorgang bei der Gährung des frisch eingebrachten Heues und die weitere chemische Zersetzung der Pflanzen bis zur Verkohlung unter Luftabschluß.
Stellvertreter Peschl führt weiter aus, daß dieser chemische Vorgang weiter nichts als eine langsame Verbrennung sei. Die entwickelte Hitze sei aber in der Mitte und gegen den Boden des Stockes bereits eine ganz bedeutende gewesen. Die Eisenträgerdecke mit armiertem Ziegelwerk auf welcher der brennende Heustock mit Abschluß eines Bretterbodens geruht habe wies auf der Naturseite bereits eine bedrohliche Erhitzung auf besonders wenn man bedenkt, daß das Eisen bei einer Erwärmung auf 500° 50% und bei 700° 75% der Tragfähigkeit einbüßt.
Herr Bürgermeister Karl Bösch gibt ebenfalls noch interessante Aufklärungen zum Brande, gibt hierauf bekannt, daß die Gemeinde keinen Schaden erleide, da von der Versicherung der ganze Schadensbetrag ersetzt würde und nimmt dann die Gelegenheit der Wehr für die ausgezeichnete zielbewußte Löscharbeit den Dank und die Anerkennung der Gemeinde auszusprechen.
In der Aussprache über diesen Brand kommen die wargenommenen Erfahrungen besonders zur Geltung.
1. Daß durch die natürliche Gärung sich das Heu entzünden kann ohne daß irgend ein Gegenstand sich im Stocke befinden muß.
2. Daß die Mundschwämme ein gutes Hilfsmittel zur Arbeit im Rauche darstellen und sollen die Wehrmänner die Schwämme jederzeit bereit haben.
Ferner scheint es notwendig daß in solchen Fällen der ganze Stock abgetragen werde unter steter Bereitschaft des Wassers.
Auszug aus der Original-Abschrift der Chronik für 1929
Brand des Heustockes im Armenhausstadel Reichsstr. Nr. 9. Morgen 6 h. Allarm wurde durch Ansagen ausgeführt. Anwesende Wehrmänner 30 Geräte: Autospritze. Schlauchmaterial wurde verwendigt. 60 Meter Transport und 80 Meter Normalschläuche
Wasserbezugsort: Feuerlöschbrunnen dortselbst.
Der Brand wurde von unserem Kameraden Pirmin Vogel entdeckt der mit einem Geislein zum Zuchtbocke in den Stadel ging. Rasch wurde der Verwalter verständigt so auch die im alten Armenhause befindlichen Mietparteien und so ging es an die Arbeit.
Nach zirka 1 stündiger Arbeit kam Kassier Fitz Franz u. Schriftführer Fitz Gebhard zur Hilfe wo dann Pirmin Vogel sagte man solle den Löschzug verständigen den in der Mitte des Stockes sei nach seinem dafür halten ein zimmlich großer Brandherd vorhanden und ihm durch die Arbeiten Luft zugeführt werde so daß ein Ausbruch erfolgen könnte und dann wenn nicht genügend Wasser der Stadel verloren sei.
Dies wurde ausgeführt Fitz Gebhard verständigte das Komando. Es wurde schnell angesagt und um ½ 9 h rückte der Löschzug an. Die Arbeiten die es gab waren sehr anstregend. Den wenigstens
40 Fuhren Heu musten ins Freie geschafft werden. Dann die Hitze. Die Gase waren fast unerträglich.
Doch arbeiteten die braven Wehrmänner unermüdlich bis jede Gefahr vorbei und das Heu aus dem Stadel entfernt war. Der Brandherd war jedoch wie angenommen in zimmlicher Ausdehnung und wäre auch in nicht langer Zeit zum Ausbruche gekommen. Für die Wehrmänner war dieser Brand sehr lehrreich gewesen. Alle konnten viel lernen und wird auch für die Bevölkerung zu ernster Mahnung sein.
Die Wehr konnte nach 9 stündiger Arbeit um 6 Uhr Abend einrücken, mit der Genugtuung heute eine der schwierigsten Anforderungen glücklich gelöst zu haben.
Vorarlberger Volksblatt: 05.08.1929
Lustenau, 4. August. (Selbstentzündung.)
Im Oekonomiegebäude bei der alten Armenanstalt wurde heute früh, beobachtet, daß der Heustock säulenartig durchgebrannt ist. Es konnte einwandfrei festgestellt werden, daß sich das Heu selbst entzündet hat.
Ein Teil der Feuerwehr mit der Motorspritze befindet sich an Ort und Stelle, wo das Heu aus dem Gebäude entfernt wird. Es waren ungefähr 40 Fuder Heu untergebracht, wonach der größte Teil als vernichtet anzusehen ist.
Das Gebäude erleidet nur durch die Löschungsarbeiten einen Schaden. Objekt und Inhalt sind durch die Versicherung gedeckt.
Sitzung der Gemeindevertretung vom 13.08.1929
Punkt 2 lit. d
"...dass die Abfindung der Schadensumme für den Brand des Heues im Armenhausstadel stattgefunden habe. Die Landes-Feuer-Versicherungs-Anstalt bezahle diesen Schadenfall mit S.11.436,00, so dass die Gemeinde keinen Schaden erleide."