Auszug aus der Original-Verhandlungsschrift der Vereinsversammlung vom 20. Juni 1915 im Gasthause zum Löwen Vormittag 9 h unter Vorsitz des Hauptmann Fitz Gebhard.
Punkt 5.
Besprechung des Brandes v. 8. Juni Geschäftshaus der Firma Ed. Alge & Cie.
Dieser Punkt wurde hauptsächlich von Herrn Hauptmann behandelt, der als einer der ersten am Brandplatze war. Er sagte daß zu dieser Ausdehnung welche der Brandherd umfaßte sehr gut u. überlegend gearbeitet worden sei u. es fast ausgeschloßen bleibe wirklich eine Kritickt zu führen.
Auszug aus der Original-Abschrift der Chronik für 1915
Brand des Geschäfts-Hauses der Firma Ed. Alge u. Comp. Union früh morgen 6h
Im Geschäftshause der Firma Ed. Alge u. Comp. brach auf bis jetzt unerklärliche Ursache im Erdgeschoße auf der östl. Seite, um 6 h früh ein Brand aus.
Zur genannten Zeit entteckte die Dienstmagd des Herrn Ed. Alge einen Rauch der ihr sehr verdächtig vorkam. Als sie nach dessen Ursache fandete bemerkte sie den Brand. Ohne jeden Verzug meldete sie es dem Chef der Firma Herrn Alge, welcher alsogleich erschien u. sah dass die Entwicklung des Feuers schon zu weit vorgeschritten sei, um es noch im Keime zu ersticken. Herrn Alge machte gleich Alarm, während die Magd das Komando der freiw. Feuerwehr verständigte. Der Alarm wurde sogleich in der ganzen Gemeinde bekannt.
Der in der Näche wohnende Hornist Alge lies um 6.5’ h das Alarmsignal ertönen u. 6.10’ h verkündeten die Sturmglocken das Unheil. 6.25’ h erschienen die geräte Kirchdorf, 5’ später welche von Rheindorf.
Das Komando führe Herrn Hauptmann Gebh. Fitz. Während dieser Zeit hatte das Feuer, welches in dem voll von Stickereien, Stellagen u. Einrichtungsgegenständen gestopften Hause reichliche Nahrung fand, das ganze Gebäude ergriffen u. konnte weder an Rettung von Mobilar noch die des Gebäudes bedacht genommen werden. Die Hitzeentwicklung war eine außerordentlich Große. Es muste mit aller Energie auf die Erhaltung der Nebengebäude getrachtet werden.
Die große Saugspritze wurde an den Feuerlöschbrunnen bei der Armenanstalt postiert u. mit einer Leitung (Transportschläuche) in die blaue Druckspritze das Wasser geliefert, welche auf der Nordseite des Brandobjektes postiert wurde.
Die Rheindorfer Saugspritze wurde beim privat Brunnen der Firma ebenfalls nördlich vom Objekt aufgestellt u. das Wasser von demselben entnommen.
Die Strebenleiter wurde westlich der Automatenfabrik gestellt und mit Leitung Nr. 2 dieselbe bestiegen u. die Fabrik geschützt. Leitung Nr. 1 von der blauen Spritze schützte das alte (früher Iskerlis Bernhard gehörend) Wohnhaus westlich und bekämpfte zugleich das Feuer im Brandobjekte.
Unterdessen langte um 7.20’ h Die Feuerwehr Bernegg mit Saugspritze u. 20 Mann an. Diese Spritze wurde am Rheinstrome postiert u. mit einer Leitung Nr. 3 Die Ferggerrei südlich vor Feuer schützte.
Die alte rote Druckspritze wurde am Brunnen des Pius Hämmerle sel. jetzt ebenfalls der Firma Alge u. Comp. gehörend postiert u. auf der östl u. nördl Seite des Ferggerrei Gebäude zu schützen, mit einem Wasserstrahl Leitung Nr. 4.
So arbeiteten 4 Wasserstrahle einerseits schützend die umliegenden Gebäude anderseitz an der Dämpfung des verheerenden Elementes.
Um 10 h Vormittag war die größte Gefahr vorbei und ein weiter umsich greifen des Feuers muste nicht mehr befürchtet werden. Die Nachbar Feuerwehr Berneck konnte entlassen werden, welche Dann auch mit vielem Danke u. der Anerkennung von Seite unserer Gemeinde wie von unserem Vereine abfuhr, im Bewußtsein besonders in dieser schweren Zeit uns einen sehr großen Dienst geleistet zuhaben.
Unsere Wehr muste jedoch bis abends 7 h ununterbrochen an den Abdämpfung-Arbeiten sich mit aller Kraft widmen. Die Feuerwehr 50 Mann konnte entlassen werden bis auf einen Brandwache von
10 Mann unter Komando des Vogel Eduard Töners welche bis 7 h früh des 9. Juni alldort verblieb.
Bemerkenswert ist das infolge der jetzt bestehenden Kriegszeit; wo so viele Männer u. Jünglinge im Felde stehen, sich die Frauen u. Mädchen hervorragend an den Löscharbeiten beteiligten.
Auch die Feuerwehr Au (Schweiz) erschien mit Spritze und 18 Mann, muste aber nicht in Aktion tretten.
Die ganzen Löschacktionen leitete Herrn Hauptmann Fitz Gebhard
Anwesende Feuerwehr Männer 50 mit je 10 Marken
“ “ “ Berneck 20 verz. auf Marken
“ “ Zivil Männer 152 mit je 3 Marken
“ “ Weibliche 22 “ “ 2 “
Summe sämmtlicher Beteiligten arbeitenden Personen 244. Summe der ausbezahlten Marken
1000 Stück á 50 Hell = 500 Kronen.
An Geräte kamen in Verwendung á Spritzen: Saugspritze Kirchdorf
“ Rheindorf
“ Berneck Schweiz
blaue Druckspritze im Grindel
alte rote Druckspritze im Rheindorf u.
kleine rote “ vom Wiesenrhein
b. Andere Geräte
Strebenleiter von Rheindorf
Anlehnleiter Kirchdorf u.
Schaufeln, Bickel u. Zabine.
An Schlauchmaterial wurden verbraucht:
350 meter Transport-Schläuche
300 “ Normal “
70 “ Spritze Wiesenrhein “
170 “ Normal Feuerwehr Berneck
890 “ Schläuche zusammen.
Gerettet konnte nebst einigen Meter Rohstoff nichts werden. Der der Firma entstandene Schaden ist durch Versicherung gedeckt.
Die Firma Ed. Alge u. König hat dem Vereine für die geleistete Hilfe hundert Kronen als Anerkennung zu kommen lassen u. sei an dieser Stelle der aufrichtigste Dank ihr ausgesprochen.
Vorarlberger Volksblatt: 09.06.1915
Lustenau, 8. Juni. (Stickereibrand.)
Heute, ½ 7 Uhr früh, stand die Stickereifabrik „Union“ (Eduard Alge & Co.) lichterloh in Flammen. Der aus Holz bestehende Fabrikteil brannte, während das Feuer auf den Dachstuhl des aus Mauerwerk bestehenden Traktes überzugreifen drohte.
Vorarlberger Volksblatt: 10.06.1915
Lustenau, 9. Juni. (Fabrikbrand.)
Beim gestern in der Stickereifabrik „Union“ (Eduard Alge & Co.) ausgebrochenen Brande wurde das Hauptgebäude der ansehnlichen Fabrik sozusagen vollständig ein Raub der Flammen.
Auch die Nebengebäude wahren äußerst bedroht und wurden zum Teil nicht unbedeutend beschädigt.
An der Löscharbeit haben sich neben unseren Feuerwehren auch die Schweizer Nachbarn eifrigst beteiligt.